Kunst im Dom als politisches Pamphlet
Wer hätte das gedacht! Es war schon klar,
dass uns (über 30 Teilnehmer der Senioren-Union der
CDU Overath) unser Kölner Stadtführer Markus
Eckstein MA auf unserer 84. Exkursion im Kölner Dom
Dinge zeigen würde, die wir so noch nicht gesehen
hatten, z. B. den Kannegießer- und den Schneider-Balken,
riesige Kerzenständer, für die diese Zünfte bei
Hochfesten je 5 Wachskerzen von bis zu 20 kg Gewicht
stiften mussten. Aber wir hatten nicht damit gerechnet,
dass ein Kirchenfester eine politische Aussage haben
könnte – und was für eine!
Das sog. Fenster der Stadt Köln (ca.
1510) zeigt nämlich nicht nur mehrfach das Kölner
Stadtwappen, den rot-weißen Schild mit den drei Kronen,
damals noch ohne die elf Flammen für die 11 000
Jungfrauen, die mit der Hl. Ursula den Märtyrertod
starben, sondern auch die „Heiden“ Marsilius (historisch
nicht belegt) und Agrippa, welch letzterer, so meinte
man damals, im Jahr der Geburt der Hl. Maria Köln
gründete, das im Jahr der Geburt Christi das römische
Stadtrecht bekam! Die Szene von Christi Geburt wird
übergroß in der Mitte des Fensters gezeigt. Und über
eine solche Stadt, die die Heilsgeschichte so deutlich
spiegelte, sollte der Erzbischof regieren dürfen? Da die
Erzbischöfe seit Jahrhunderten in Köln politisch nichts
mehr zu sagen hatten, das aber nicht hinnehmen wollten,
war dieses vom Rat der Stadt gestiftete Fenster ein
deutlicher Hinweis, den Status Kölns als freier
Reichstadt endlich anzuerkennen! Basta!
Rudolf Preuß

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