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Tagesmütter brauchen Unterstützung statt Gängelung

Rainer Deppe

In Overath gibt es 7 Tagesmütter. Sie übernehmen eine unentbehrliche Aufgabe bei der frühen Förderung und Betreuung von Kindern. Sie stehen gleichrangig neben den Kindertagestätten.

So wie weitere Erzieherinnen benötigt werden, brauchen wir zusätzliche Tagesmütter. Da ist es gut, dass im Rheinisch-Bergischen Kreis gerade wieder 9 angehende Tagesmütter ihren 160 Stunden umfassenden Lehrgang mit Erfolg abgeschlossen haben.

Während die Kommunen sich bemühen, die Qualifizierung von Tagesmüttern voranzutreiben und weitere Frauen (und auch Männer) für diese verantwortungsvolle Tätigkeit zu begeistern, macht die Landesregierung den Tagesmüttern das Leben schwer.
Im Jahr 2011 war es die unselige Debatte um den Zusammenschluss von 2 oder 3 Tagesmüttern zu einer gemeinsamen (Groß-)Tagespflegstelle. Jetzt sollen die Tagesmütter „Lebensmittelunternehmer“ im Sinne der EU-Hygieneverordnungen werden. Dabei hat die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland noch am 19.12.2011 festgestellt: „Tagesmütter fallen nicht unter die strengen EU-Hygienevorschriften für Lebensmittelunternehmen“, wie sie etwa für Gaststätten oder andere Lebensmittel verarbeitende Betriebe gelten.

In Regulierungswut, jeden Lebensbereich durch Vorschriften und Bürokratie zu reglementieren, hat die Landesregierung einen 20-seitigen Leitfaden erstellt, den die Tagesmütter als Lebensmittelunternehmer zu beachten haben. Neben Banalitäten, wie Händewaschen nach der Toilette oder dass Babyflaschen und -sauger gründlich zu reinigen sind, sollen Waschmaschinen, Topfpflanzen und gepolsterte Stühle aus der Küche verbannt werden. Auch Ohrringe, lackierte Fingernägel und Parfums gefallen den Grünen in der Küche gar nicht. Obst und Gemüse müssen gewaschen werden, bevor sie in den Kühlschrank kommen, oder in einem separaten Kühlschrank gelagert werden. Wie in einer Gaststätte müssen Tagesmütter auf jede angebrochene Packung das Anbruchdatum schreiben und jederzeit nachweisen können, von wem sie Lebensmittel bezogen haben und an wen sie die Lebensmittel abgegeben haben.

Ich frage mich, was für eine Vorstellung die Landesregierung von Tagesmüttern hat. Ich habe bisher nur sehr engagierte und um die Kinder besorgte Menschen kennen gelernt. Es ist offenkundig welt- und lebensfremd, Tagesmütter und Tagesväter als Lebensmittelunternehmer zu behandeln.

Frauen oder Männer, die einen eigenen Haushalt führen und häufig mehrere eigene Kinder gesund ernährt und großgezogen haben, verdienen Vertrauen und Ermunterung statt Misstrauen und bürokratische Bevormundung. Dieses Thema werden wir im Landtag zur Sprache bringen.

Unabhängig von dem Hygienethema lade ich alle Tagesmütter und Interessierte zu einer Veranstaltung der CDU-Landtagsfraktion „Klartext in der Kindertagespflege – welche Form der Unterstützung brauchen Tagesmütter und -väter wirklich?“ in den Landtag nach Düsseldorf ein.

Rainer Deppe
Landtagsabgeordneter
www.rainer-deppe.de

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